Pässeabenteuer Herbst 2014

Als wir im Mai versuchten den Mangart zu erklimmen wurden wir von jeder Menge Schnee davon aufgehalten. Den ganzen Sommer lang war ich immer kurz davor die Runde anzugehen aber wie es der Teufel will wurde nie etwas daraus.
War das Wetter perfekt – hatte ich keine Zeit, hatte ich Zeit – war das Wetter bescheiden.
Da der Wetterfrosch sowieso das ganze Jahr nicht wirklich Recht gehabt hat mit seinen Prognosen riskierte ich die Runde nun Mitte September. Mein Cousin Max machte Freitag eine extra Schicht in seinem Garten und vertikutierte bis in die Nacht nur um am Samstag mit mir das Abenteuer Mangart zu starten.
Nur den Mangart fahren war mir zu wenig, und so plante ich eine Runde von ~950 km über die schönsten Pässe und Straßen Österreichs.
In der Nacht hat es geregnet und so waren die Straßen als wir um 8:00 aufbrachen noch nass. Wir beschlossen die ersten 2 geplanten Pässe (Hengstpass, Phyrnpass) auszulassen und starteten auf direkten Weg nach Admont. Von Purgstall durch das Gesäuse auf teils doch noch etwas rutschiger Fahrbahn.
Nach kurzen Tank – und Kaffestopp ging die Fahrt über Liezen und dem Sölkpass Richtung Süden.
Die B320 kenn ich noch von früher als ich beruflich viel in Liezen und Umgebung unterwegs war. Hat sich vieles verändert.

Der Sölkpass ist eigentlich eine Alm die durchquert wird. Man fährt zwischen Kühen hindurch und die sehen einen nur blöd an wenn man nur ein paar Zentimetern an ihnen vorbei tuckert. Die Straße ist so schmal das man sich gar nicht richtig traut die entgegenkommenden Biker zu grüßen, weil man Angst hat den Kollegen abzuklatschen. Landschaftlich ein Traum und ab jetzt auf meiner jährlichen ToDo Liste.

Weiter auf der Murtalstraße um dann in Innerkrems auf die Nockalmstraße abzubiegen. Dort kassiert man 2014 ganze 9,50€ für Motorräder. Anfangs noch sehr unspektakulär entwickelt sich die Straße mit jedem Höhenmeter in eine Traumhafte Route die dann doch das Geld wert ist.  Die Besonderheit der Nockstraße sind seine 2 Pässe die beide mit 2042m und 2015m doch recht ordentlich sind.

Da unsere Zeit sehr begrenzt war und wir noch einiges an Kilometern vor uns hatten hielten wir uns nicht lange in den Nocky Mountains – die den Namen wegen ihrer Nockenartigen Erscheinung haben – auf.
Die Strecke nach Bad Kleinkirchheim ist ebenso Fahrenswert wie der weitere Verlauf der Reise nach Villach.
In der Kärntner Faschingshauptstadt Villach gab es einen kurzen Imbiss um nach einem weiteren Tankstopp den Wurzenpass und somit die Fahrt nach Slowenien in Angriff zu nehmen.
Der Wurzenpass beginnt auf Kärntner Seite mit eine ziemlich spektakulären Steigung von 18%. Kurz vor Passhöhe 1073 m ü. A steht ein alter Panzer der 2009 als teil des Bunkermuseum aufgestellt wurde und als Mahnmal an den Kalten Krieg dient.
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Auf der Slowenischen Seite gibt es ein paar Kurven und Kehren und wenig später erreichen wir zum 2. mal in diesem Jahr Kranjska Gora. Auf 50 Kehren geht es ins schöne Soca-Tal in dem man für eine Geschwindigkeitsübertretung von 21Km/h 125€ los wird. Ohne uns aufzuhalten fahren wir auf den Mangart – unserem eigentlichen Ziel der Reise. Es ist 17:00 als wir zur geschlossenen Mautstation kommen und so sparen wir uns 5€ und erreichen wenige Minuten später auf ca. 1.400m den Teil der Straße wo wir im Mai umdrehen mussten. Das Wetter spielte mit und so kamen wir bei halbwegs guter Sicht um 17:25 Uhr an der höchsten Stelle der Mangartstraße auf 2055m an. Wir mussten aber kurz vorher eine Straßensperre wegen Steinschlag ignorieren um überhaupt unser Ziel zu erreichen. Und das keine Minute zu spät. Von Minute zu Minute kamen mehr Wolken aus dem Tal und bei der Abfahrt war die Sicht schon um einiges Schlechter.

Oben haben wir beschlossen wir fahren noch einige Kilometer, da wir ja nicht wissen wie das Wetter am nächsten Tag sein wird. Außerdem sind bei einer Höchstgeschwindigkeit von 110Km/h sind die noch vor uns liegenden 450 Km keine leichte Aufgabe.
Italien ließen wir links liegen und wir machten uns auf den Weg die Straniger Alm im Kärntnerischen Gailtal zu erreichen.
Die Auffahrt von der Italienischen Seite ist mit SG4 angegeben und das nicht zu unrecht. Es dämmerte bereits als wir auf dem teilweisen sehr steilen und manchmal doch recht schlammigen  grünen Grenzübergang Österreich erreichten. Als wir um 19:13 Uhr auf der Alm eine Unterkunft zugesagt bekommen haben waren wir glücklich und genossen die gute Jause bei dem einen oder anderen Gerstensaft mit einem deutschen Pärchen die mit ihren BMWs kurz nach uns von der Kärntnerischen Seite aufgetaucht sind.
Tag 1 mit ziemlich genau 500km geschafft.

Tag 2 bricht an.
Wir genießen den Sonnenaufgang und das gute Frühstück. Brunhilde die Sennerin kredenzt Brot, ihren bekannten Gailtaler Käse, selbstgeräucherten Speck, Kaffee und Saft.
Mit vollem Magen verabschieden wir uns von den beiden Motorrad-kollegen die sich auf dem Weg über Italien auf den Mangart machen. Wir nehmen die recht gut ausgebaute Forststraße Richtung Tal und erreichen nach 20 minütiger Fahrt das Gailtal.

Einmal links, einmal rechts und wieder links geht es über den Plöckenpass ins Drautal.
Bei Kaiserwetter durchfahren wir das Drautal Richtung Osten und fahren unter der A10 auf der Katschbergstraße. Eine Eigenheit der Katschbergstraße ist das exakte platzieren der Kanaldeckeln in der Ideallinie.
Kilometerweise schönste Gegend reiht sich an Kurven und Berge. Die Zeit ist schon gegen uns als wir um 13:00 Radstadt erreichen und laut Navi noch 235km vor uns liegen.
Wir entschieden uns gegen die kurze aber langweilige Strecke über die B320 und fuhren nach Eben um auf einer kurzen Schotterverbindung St. Martin zu erreichen und über das Pass Gschütt den Hallstätter See anzufahren.
Um 3,90€ kauften wir uns eine Schnitzelsemmel die direkt aus der Gefriertruhe in die Friteuse kam. Der Hunger ist der beste Koch.


Als wir weiter fuhren verließ uns mein Navi und so mussten wir nach Gefühl nach Hause Navigieren.
Die dicken Regenwolken im Genick fuhren wir über Gmunden am Traunsee nach Kirchdorf/Krems – Steyr – Amstetten – Purgstall – zu Hause.
Wir konnten trotz Gebeten und versprochenen Opfergaben nicht verhindern das wir in einen richtigen Gewitterregen inkl. Hagel kamen. Die letzten 50 km fuhren wir in Regenmontur und teilweise auch ohne die Straßenverkehrsordnung zu beachten.
Nach Ende von Tag 2 waren ~930 km mehr auf dem Tacho meiner XT, deren Sattel oder auch mein Arsch für so lange Tagesetappen nicht ausgelegt ist.

Fazit: Nach ca. 200 gefahrenen Kehren und 16000 Höhenmetern bergauf gibt es neue Straßen in meiner Sammlung der Lieblingsstrecken.
Die  Nocky Mountains gehören ebenso wie der Sölkpass jährlich gefahren. Die Straniger Alm sollte ein jeder einmal gesehen haben und die Strafen in Slowenien sind sehr teuer.

September 18, 2014

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